April 09, 2020

9 Vorschläge, wie man als InnovatorIn die Zeit jetzt (für danach) gut nutzt

Mit der Corona-Krise stehen wir einer Pandemie gegenüber, die es so in unserer Zeit noch nicht gab. Sie stellt uns vor enorme Herausforderungen und hat Auswirkungen auf Leben und Wirtschaft, auf Psyche und Mentalität sowie auf Unternehmen und ihre Innovation. Wir kämpfen alle mit Ungewissheiten und Unsicherheiten, klar ist nur, dass die Corona Pandemie uns verändern wird. 

Unternehmen ebenso wie jeder Einzelne von uns sind gefordert ihr Verhalten und Vorgehen an diese Ausnahmesituation anzupassen. Das ist keinesfalls einfach, aber es kann auch große Potenziale beinhalten. Denn schnelle Anpassung und effiziente Lösungsfindung stehen im Zentrum jeder guten Innovation.

Das soll keinesfalls heißen, dass wir dieser Krise positive Attribute verleihen möchten. Es bedeutet nur, dass sie – wie jede Krise – disruptive Kräfte beinhaltet.

Wir haben 9 Vorschläge gesammelt, wie man die Zeit jetzt gut nutzen könnte – vielleicht auch in Vorbereitung für danach.

 

#GemeinsamgegenCorona

Auf den ersten Blick mag die Corona-Krise wie eine Zeit der Abschottung und Isolation wirken. Auf den zweiten Blick aber zeigt sich, dass wir auch einen Prozess der Öffnung und Solidarität durchlaufen. Gerade in der Wissenschaft herrscht ein globaler und kollektiver Wissensaustausch ­– ungemein schnell und digital.

Auch viele Unternehmen stellen ihre Infrastruktur und Ressourcen für den Umgang mit der Krise zur Verfügung. Es geht vor allem um die Unterstützung des Gesundheitswesens. So produzieren beispielsweise der französische Luxuskonzern LVMH oder die Becks Brauerei Desinfektionsmittel. Der Wäschehersteller Mey oder der Matratzenproduzent Breckle nähen nun Masken für den Mund-Nase-Schutz. Und die Munich Re und Fraunhofer-Gesellschaft suchen mit der #GiveaBreathChallenge die besten Lösungen zu 3D-druckfähigen Designs für Beatmungsgeräte. 

Was können wir tun? Tauscht euch in eurem Netzwerk aus, redet mit euren Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten über Wege, wie ihr möglicherweise einen Beitrag leisten könnt. Tut euch zusammen und unterstützt euch. Innovation Challenges oder Awards können hier ein toller Weg sein, innovative Ideen und Lösungen zu finden.

 

Don’t look at the future with today’s eyes

Menschen tendieren dazu, zukünftige Entscheidungen mit dem gegenwärtigen Gefühlszustand zu bewerten. Kurz gesagt heißt das, wenn ich mich heute unglücklich und ängstlich fühle, gehe ich davon aus, dass auch während meiner zukünftigen Entscheidungen diese Gefühle eine Rolle spielen werden.

Es wird eine Zeit nach der Krise geben. Einerseits kann man davon ausgehen, dass eine gute Idee auch nach der Krise immer noch eine gute Idee sein wird, auch wenn die jetzige Gemütslage das kaum zulässt. Anderseits werden die jetzigen Gefühle Auswirkung auf zukünftige Entscheidungen haben. Die Unsicherheit, die wir in Bezug auf COVID-19 verspüren, wird unser Verhalten auch noch lange nach der Krise beeinflussen. Das hat zur Folge, dass Vorhaben, die vor der Krise Erfolg versprechend schienen, nach der Krise weniger erfolgreich sein könnten.

Überlegt welche Entscheidungen über den Erfolg von Ideen und Vorhaben jetzt getroffen werden müssen und welche zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden können. Das soll keinesfalls bedeuten, sich nicht mit der Zukunft zu befassen. Das A und O ist nur, sich nicht zu stark von den jetzigen Gefühlen leiten zu lassen und offen zu bleiben. Setzt euch mit Trends auseinander, startet Workshops, überlegt euch mögliche Szenarien und sammelt Perspektiven.

Und was die möglichen neuen Verhaltensweisen angeht, schaut bei dem Vorschlag "Wie immer gilt: Den Kundendialog aufrechterhalten" vorbei.

 

Interne Baustellen fixen und Effizienz steigern

Vielleicht wird die erste Reaktion vieler Unternehmen sein, Innovationsprojekte, die eine längerfristige Amortisationszeit haben, einzustampfen. Und manche können es sich auch nicht leisten, den Blick in die ferne Zukunft zu richten. Aber es wäre fatal, die Bedeutung von Innovationteams zu unterschätzen. Die Kompetenz eines Innovationsteams liegt darin, die größten Herausforderungen zu verstehen, denen sich das Kerngeschäft gegenübersieht und diese zu lösen. Es gilt mehr denn je, diejenigen anzugehen, die innerhalb eines kurzen Zeitfenster zu Umsatz und Effizienz beitragen können.

Das 70/20/10 Modell  besagt, dass sich 70% der Innovationsaktivitäten auf das Kerngeschäft, 20% auf angrenzende und 10% auf disruptiven Innovationsinitiativen konzentrieren sollen. Erfolgreich innovieren heißt nicht zwangsläufig, am laufenden Band disruptive Innovationen zu ermöglichen.

Die jetzige Zeit könnte also genau dafür genutzt werden, sich einmal mehr auf diese 70% zu konzentrieren. Regt euer Ideenmanagement an, sammelt Ideen und Verbesserungsvorschläge, um eure Effizienz zu steigern und bestehende Produkte oder Dienstleistungen ressourcenschonend anzupassen und weiter auszubauen.

 

Aber die anderen 30% nicht vergessen!

Es wird Zeit brauchen, bis wir uns erholt haben. Die Mittel werden knapper sein und das macht uns berechtigterweise Sorgen. Mancher Wettbewerber wird seine Ressourcen von den langfristigen Innovationschancen weg verlagern (wie im vorangegangenen Vorschlag beschrieben). Wenn man aber Wege findet, weiter auch langfristig angelegte und transformative Innovationsinitiativen – wenn auch in reduziertem Maße – voranzutreiben, kann das ein bedeutender Vorteil in der Zukunft sein. Bahnbrechende Innovationen gehen nun mal mit einer gewissen Weitsicht einher, da braucht es Ausdauer. 

Eine Kombination beider Vorgehen könnte bedeuten, sich zunächst kurzfristige Umsatz- und Effizienzsteigerungen zu erarbeiten, die einem im Anschluss Luft für disruptivere Innovationen verschaffen. Es wird sehr viel schwerer sein, ein Innovationsprogramm komplett neu zu starten, als ein bereits gut funktionierendes durch den Sturm zu manövrieren und gegebenenfalls den Kurs anzupassen. 

 

Zeitfresser loswerden  

Verlagert sich der Schwerpunkt von Investitionen auf Kürzungen, gilt es umso mehr, Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen. Innovation ist dann wirklich effizient, wenn man sicherstellen kann, dass kommerziell lebensfähige Ideen schnell umgesetzt und nicht lebensfähige Ideen schnell abgestoßen werden.

Mit smarten Evaluationsprozessen können wichtige Ressourcen wie Zeit, Geld und Arbeitskraft eingespart werden. Innovation Funding ist hier eine tolle Methode, um sowohl möglichst vielen Ideen zu sammeln als auch diese aussagekräftig sowie schnell zu bewerten und zur Umsetzung zu bringen.

Setzt dort an, überprüft eure Prozesse. Schaut euch eure Projekte und Initiativen an. Gibt es Zeitfresser unter ihnen? Dann werdet sie los. Inkludiert eure Mitarbeiter bei Bewertungsprozessen, so lässt sich sehr schnell erkennen, welche Ideen Potential haben und welche eben nicht. 

 

Wie immer gilt: Den Kundendialog aufrechterhalten

Wie bereits genannt, werden sich als Reaktion auf die Krise Gewohnheiten und Verhaltensweisen vieler Menschen verändern – wenn auch nur kurz- und mittelfristig. Annahmen zu Kunden und Verbraucherverhalten vor der Krise müssen nach der Krise nicht mehr in gleichem Maße zutreffen.

Nachvollziehbare psychologische Reaktion auf Angst und Unsicherheit sind die Besinnung auf Vertrautes, Risikominderndes und Sicherheiten. Auch die Ausgangsbeschränkungen werden nicht spurlos an der Psyche der Menschen vorbeigehen. Wie und in welchem Ausmaß sich das äußern wird, das gilt es zu ergründen. Es lohnt sich also allemal, die Zeit jetzt in die Untersuchung des Kundenverhaltens zu stecken. Das gilt zwar immer, aber vielleicht jetzt noch mehr als sonst.

Auch Kunden und Verbraucher sind gerade viel Zuhause, also nutzt die Zeit und tretet in Dialog mit ihnen. Sprecht mit euren Kunden, fragt nach ihren Perspektiven und Ideen oder verschafft euch einen genaueren Überblick über die aktuellen Entwicklungen, indem ihr die Meinungen und das Verhalten einer großen Masse an Verbrauchern untersucht.

 

Weiterbildung ist immer möglich – digital sei Dank 

Weiterbildung ist der Schlüssel zu Wachstum:

Nur wer die Kompetenz hat, kann sich selbst organisieren und eigenständig gute Entscheidungen treffen. Beide – die Selbstorganisation und die dezentrale Entscheidungsfindung – sind wichtige Voraussetzung für eine schnelle und flexible Anpassung. Und schnelle Anpassung ist die Grundvoraussetzung, um mit veränderten Bedingungen umgehen zu können.

Nur wer mindesten genauso schnell lernt wie sich die Umwelt verändert, hat eine Chance mitzuhalten und nur wer die Fähigkeiten besitzt mit Chaos und Unsicherheiten umzugehen, kann diesen auch begegnen. 

Nutzt die Zeit, um euch weiterzubilden. Gebt euren Mitarbeitern Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten auszubauen. Für Weiterbildung braucht es nicht zwangsläufig den Mensch-zu-Mensch-Kontakt. Online-Workshops und Webinare sind eine ebenbürtige Alternative.

Ziemlich sicher sind auch schon viele der wichtigen Kompetenzen innerhalb des Unternehmen vorhanden: Warum nicht Workshops und Webinare mit eigenem Peer-to-Peer Learning aufbauen?
#wedoit #wecallitbootcamp

In einem spannenden Überblick zeigt McKinsey, welche Fähigkeiten besonders gefragt sind in einer sich ständig wandelnden Welt. 

 

Den Kulturwandel anstoßen und vorantreiben

Gewohnheiten und gängige Verhaltensmuster wurden in den letzten Wochen über den Haufen geschmissen. Es mussten neue Wege gegangen werden, um den Arbeitsalltag weiterhin meistern zu können. Das kann ohne Frage sehr kräftezehrend sein, beinhalten aber auch Chancen. Es öffnet die Türen für neue und verbesserte Verhaltensweisen. Vielleicht liefert es sogar den Anstoß für einen längst fälligen Kulturwandel?

Das Nonplusultra der Arbeitsorganisation für uns ist agiles Arbeiten. Ein Modell, dass es uns erlaubt hat, in den letzten Wochen unseren Arbeitsalltag fast wie gewohnt weiterführen zu können. Warum? Home Office und die dafür nötige Infrastruktur gehören für uns zum Standard. Selbstorganisation und dezentrale Entscheidungsfindung erlauben uns schnelles Agieren und flexible Anpassung.

Die jetzige Krise mag für manche der Anstoß gewesen sein, sich mit flexibleren und agileren Arbeitsmethoden auseinanderzusetzen. Das heißt aber nicht, dass diese nicht genauso wertvoll für die Zeit danach sein können. Dokumentiert die Zeit, merkt euch, was gut läuft und haltet es fest. So können neue, moderne Arbeitsmodelle für die Zukunft greifbar und nachvollziehbar gemacht werden. Und macht das nicht alleine, sondern involviert eure Mitarbeiter: Startet Projekte und Umfrage, um mit den Meinungen und Perspektiven vieler eine möglichst genaue Aussage treffen zu können.

 

Messen, messen, messen

Das ist wahrscheinlich allen klar, aber der Vollständigkeit halber, soll es trotzdem gesagt sein: Messt und haltet die Auswirkung eurer Tätigkeiten fest. Definiert klare und aufeinander abgestimmte Ziele, welche Interessengruppen innerhalb und außerhalb des Unternehmens involviert werden sollen und warum. Nur wer in der Lage ist, den Wert der (fortgesetzten) Investitionen in Innovationen trotz der Marktbedingungen aufzuzeigen, kann die weitere Ausübung leicht rechtfertigen und Kürzungen im eigenen Bereich verhindern. 

Vielleicht hat der eine oder andere gerade mehr Zeit Reportings aufzuarbeiten und sich in den KPI-Dschungel zu stürzen. Wir wünschen viel Freude 😉

 

Ihr habt noch weitere Vorschläge oder Anregungen? Dann schreibt uns gerne, wir freuen uns immer über Austausch und Feedback. 

Marianthi Schreiber

Marianthi is a member of the marketing team at innosabi, book worm and aspiring innovation nerd. She believes that to successfully shape the chances the digital era holds for innovation, you have to know as much as possible about it. Collecting knowledge and sharing it is her number one mission.